Wird Hagen zu einer Wohnstadt?
Zahlreiche Unternehmensabwanderungen aus Hagen
veröffentlicht am 26. Februar 2025
Mit dem angekündigten Wegzug der Thalia-Zentrale nach Dortmund hat die wirtschaftliche Lage Hagens einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der Umzug von Thalia ist eine weitere Quittung für eine verfehlte Gewerbeflächen- und Wachstumspolitik und reiht sich ein in eine lange Liste von Unternehmensabwanderungen: In den letzten 18 Jahren haben über 1.000 Unternehmen Hagen verlassen. Vor diesem Hintergrund hat der Unternehmer Rat Hagen Anfang des Jahres einen 12-Punkte-Maßnahmenkatalog zur Wirtschaftsbelebung erstellt, in dem er seine Erwartungen an den neuen Oberbürgermeister und die Politik formuliert. Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen erhält dieser Forderungskatalog weitere Relevanz. Die Umsetzung dieser Maßnahmen, die u. a. eine gezielte Akquise seitens der Wirtschaftsförderung, eine Ansiedlung von 180 zusätzlichen Unternehmen bis 2027 und eine Reduzierung der Gewerbesteuer-Hebesätze vorsehen, ist unumgänglich, um einen weiteren wirtschaftlichen Abschwung und den Wegfall weiterer Arbeitsplätze in Hagen zu verhindern.
Bereits 2017 gaben 40 Prozent der in einer Umfrage des Unternehmer Rat Hagen interviewten Unternehmen an, den Standort Hagen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Wie sich jetzt gezeigt hat, haben inzwischen zahlreiche dieser Unternehmen den Wechsel realisiert. Wenn die Entwicklung weiter in diese Richtung geht, liegt die Frage nahe: Wird Hagen zu einer Wohnstadt? Verfolgt man hingegen das Ziel, Hagen zu einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort mit idealen Wohnbedingungen zu machen, hat eine konsequente, klare Wachstumsstrategie, wie sie der Unternehmer Rat Hagen in seinem 12-Punkte-Katalog fordert, höchste Priorität. „Diese Maßnahmen fordert der Unternehmer Rat Hagen bereits seit Langem. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Spätestens für die im September neu gewählten politischen Entscheider und die Verwaltungsspitze muss die Umsetzung höchste Priorität haben“, fordert Winfried Bahn, Initiator des Unternehmer Rat Hagen.
Einer klaren Strategie bedarf es auch, um die Verkehrsproblematik in der Innenstadt, ausgelöst durch zahlreiche Brückensperrungen, zu entschärfen. „Hier ist ein transparentes Vorgehen wichtig, damit Unternehmen Planungssicherheit erhalten. Vor allem ansässige Unternehmen müssen sich auf diese spezielle Situation einstellen können. Sie erwarten einen detaillierten Zeitplan, in dem sämtliche Baumaßnahmen der nächsten vier Jahre aufgelistet sind. Auch dürfen nicht ständig weitere Einbahnstraßenführungen eingerichtet werden, die den ohnehin schon eingeschränkten Verkehrsfluss in der Innenstadt noch weiter beeinträchtigen“, betont Winfried Bahn.