Jahresauftakt mit klaren Forderungen
Mit konkreten Zielformulierungen startete der Unternehmer Rat Hagen ins neue Jahr
veröffentlicht am 30. Januar 2025

Volles Haus, breite Themenvielfalt und informative Podiumsgespräche: Der Neujahrsempfang des Unternehmer Rat Hagen stieß auf große Resonanz. Rund 80 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft waren der Einladung ins Tagungshotel Arcadeon gefolgt.
Nach der einleitenden Begrüßungsrede von Moritz Pietzschke, Jungunternehmer und Partner im Unternehmer Rat Hagen, wurde ein zentrales Anliegen der Unternehmer schnell deutlich: Es bedarf in Hagen dringend einer Wachstumsstrategie. Das untermauerte Winfried Bahn, Initiator des Unternehmer Rat Hagen, anhand eines Faktenchecks. Hohe Arbeitslosigkeit, steigende Sozialabgaben, sinkende Unternehmenszahl, modernisierungsbedürftige Innenstadt … – die Liste der Herausforderungen in Hagen ist lang. Um die anhaltende Abwärtsspirale zu durchbrechen, müssten dringend einige relevante Handlungsfelder angegangen werden. Zur Veranschaulichung der wichtigsten Anforderungen und Erwartungen an den zukünftigen Oberbürgermeister und die Politik stellte Winfried Bahn einen 12-Punkte-Maßnahmenkatalog vor, den der Lenkungskreis des Unternehmer Rat Hagen im Vorfeld erarbeitet hatte. Er umfasst die folgenden zentralen Forderungen:
- Klare Wachstumsstrategie, damit Unternehmen nach Hagen kommen und bleiben
- Ziel für 2027: Ansiedlung von 180 zusätzlichen Unternehmen mit erweitertem Branchenmix. Das bedeutet mehr Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze
- Reduzierung der Gewerbesteuer-Hebesätze von 520 auf 490. Das bedeutet Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Nachbarstädten. Dortmund: 485, Iserlohn: 480, Wuppertal: 490
- Verstärkte, gezielte Akquise seitens der Wirtschaftsförderung, damit Unternehmen nach Hagen kommen (Beispiel Dortmunder Wirtschaftsförderung)
- Das Herz einer Stadt ist die Innenstadt: Neugestaltung bis 2027 mit dem Ziel, dass sich alle Bürger wieder in der Innenstadt wohlfühlen. Das schafft mehr Umsatz und die Perspektive von Unternehmensansiedlungen
a) Neugestaltung von Elberfelder Str., Teilen der Mittelstr. und des Volksparks - Ziel bis 2030: Hagen als Oberzentrum wiederherstellen
- Optimierung des Verkehrsflusses, erreichbare Innenstadt für alle Verkehrsmittel. Verkehrsfluss statt Verkehrswende
- Mehr Sicherheit und Sicherheitsgefühl durch erkennbare polizeiliche Präsenz
- Bis 2028: Leistungsorientierte Verwaltung zum Bürger hin, stärkere Digitalisierung der Abläufe
- Bearbeitungszeit von Baugenehmigungen verkürzen
- Die 33 städtischen Beteiligungen auf den Prüfstand stellen. Personalkostenmanagement in der Verwaltung
a) Verwaltung und Stadtrat: Prozessverfolgung, Ergebnisse und Erfolge stärker kommunizieren. Die Bürger mitnehmen
b) Beigeordnete und Stadtrat: Mehr Transparenz durch Bürgersprechstunden, regelmäßige Pressekonferenzen - Ratsmitgliedschaft mit freiwilliger Zeitbegrenzung, maximal 2 bis 3 Legislaturperiode
a) Stärker das Fachwissen der Hagener Bürger und Unternehmer nutzen, weniger Gutachten von außen
b) Anhebung des Bildungsniveaus: Ausstattung der Schulen mit ausreichend vielen Lehrkräften in schadensfreien Gebäuden
„Die Umsetzung dieser Maßnahmen hat allerhöchste Priorität, damit Hagen nicht noch weiter den Anschluss verliert“, bekräftigte Winfried Bahn.
Die anschließenden Ausführungen von Thorsten Klepper, Hagener Fachanwalt für Insolvenzrecht, zur Insolvenzsituation bestätigten die Relevanz dieser Forderungen. Wie im bundesweiten Trend befände sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf hohem Niveau, Tendenz steigend, wie Thorsten Klepper im Gespräch mit Dr. Lars Immerthal und Winfried Bahn erklärte.
Was können eigentlich Bundestagsabgeordnete in Berlin tun, um die lokalen Herausforderungen in Hagen anzugehen? Dieser Frage stellten sich die Bundestagsabgeordneten bzw. -kandidaten Tijen Ataoğlu, Timo Schisanowski und Katrin Helling-Plahr im Interview mit Olivia Bahn aus dem Unternehmer Rat Hagen. Dabei betonten sie die aus ihrer Sicht wichtigsten Hagener Anliegen, für die sie im Bundestag eintreten bzw. eintreten würden: Als Vorhaben wurden zum Beispiel der Einsatz für Fördermittel, Reduzierung der Energiekosten, Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und inneren Sicherheit sowie die Stärkung der Bildung genannt.
Auf dem Podium waren zudem zwei Gäste, die noch ganz frisch in ihrem Amt sind: Der neue Stadtkämmerer Bernd Maßmann sowie der neu gewählte Rektor der FernUni in Hagen, Prof. Dr. Stefan Stürmer. Nach einer kurzen Vorstellung erläuterten beide die Herausforderungen, mit denen sie sich aktuell konfrontiert sehen. Bernd Maßmann stellte u. a. in Aussicht, verschiedene Posten im Haushalt auf den Prüfstand zu stellen, um Einsparungen vorzunehmen. Interviewt von Heike Bühren, Partnerin im Unternehmer Rat und Leiterin des Bereichs Firmenkunden der Märkischen Bank, gab Prof. Dr. Stefan Stürmer einen Einblick in seine Tätigkeitsschwerpunkte. Wie seiner Vorgängerin, Prof. Dr. Ada Pellert, sei auch ihm die Nähe der Fernuni zur Stadtgesellschaft wichtig, wie er betonte. Daher werde er den Dialog zu relevanten Kräften der Stadt fortsetzen.
„Es war ein gelungener Jahresauftakt. Es wurde deutlich, dass sich in Hagen dringend etwas ändern muss. Darin sind sich wohl alle einig. Um die Stadt wieder nach vorne zu bringen, braucht es jedoch große Anstrengungen auf allen Ebenen“, resümierten Dr. Lars Immerthal und Winfried Bahn am Ende des Abends.

